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Was ist besser - Refraktor oder Reflektor?
Das kommt auf das Einsatzgebiet an. Grundsätzlich gilt: Für allgemeine Beobachtungen sind beide Fernrohrarten gleich gut geeignet, d. h. bei gleicher Öffnung zeigen beide prinzipiell das Gleiche. Der Unterschied liegt im Preis: Reflektoren sind in der Regel deutlich billiger, da kostengünstiger in der Herstellung.

Wer vor allem Mond und Planeten beobachten möchte, braucht ein Gerät, das auch bei höheren Vergrößerungen noch scharf abbildet. Dies leisten beide Teleskoparten, solange das Öffnungsverhältnis nicht zu klein wird (Refraktor: ca. f/10 oder größer, Reflektor: ca. f/6 oder größer).
Ausnahme: APO-Refraktoren sind wegen ihrer guten Farbkorrektur auch als f/6-Geräte 'planetentauglich', aber leider auch besonders teuer.

Für die Beobachtung lichtschwacher Objekte (z. B. Galaxien) ist es entscheidend, daß das Teleskop möglichst viel Licht sammeln kann. Da für das Lichtsammelvermögen allein der Optikdurchmesser verantwortlich ist, werden für den Deep Sky Bereich in der Regel größere Spiegeloptiken
eingesetzt. Linsenfernrohre von 20 oder 30cm Öffnung wären fast unbezahlbar. Spiegelfernrohre sind also nicht, wie oft behauptet, lichtstärker als Refraktoren, sondern einfacher herzustellen und daher auch mit großen Öffnungen noch erschwinglich.

Wie hoch kann man vergrößern?
Die Faustregel lautet: Optikdurchmesser in mm x 2.

Beispiel: Ein Newton-Reflektor besitzt einen Hauptspiegel von 114mm Durchmesser. Die sinnvolle Höchstvergrößerung liegt dann bei 228x.

Dies ist nur ein grober Richtwert. Zur Trennung von Doppelsternen mag manchmal eine ca. 50% höhere Vergrößerung nützlich sein. Da wir die Objekte stets durch die Lufthülle hindurch betrachten, sind die Fernrohrbilder meist etwas 'zappelig'. In Nächten mit besonders starker
Luftunruhe sollte man daher nichtzu hoch vergrößern. Bei Sternhaufen und Galaxien sind gleichfalls niedrigere Vergrößerungen anzuraten (je nach Größe und Helligkeit der Objekte das ca.0.15fache bis 1.5fache der Teleskopöffnung in mm).Sehr ausgedehnte Objekte (z.B. die Plejaden) sind am besten mit der kleinsten möglichen Vergrößerung zu erfassen. Achtung: Zum Aufsuchen der Objekte immer eine niedrige Vergrößerung einsetzten!

Was sehe ich durch's Fernrohr?
Gleichgültig wie groß Ihr neues Teleskop sein soll - vergessen Sie die farbenprächtigen Fotos von Gasnebeln und Galaxien in den Astromagazinen. Während CCD's und Farbfilme das Sternenlicht minutenlang aufaddierenkönnen, sieht unser Auge nur die gerade auf die
Netzhaut treffenden Photonen. Die Fotografie ist bei der Farbdarstellung von Himmelsobjekten und beim Nachweis lichtschwacher Phänomene dem menschlichen Auge weit überlegen.

Andererseits sammeln schon kleine Amateurgeräte wesentlich mehr Licht als unser Auge allein. Ein 10-cm-Refraktorobjektiv z.B. besitzt ein ca. 200x größeres Lichtsammelvermögen als die Augenlinse. Das sogenannte Auflösungsvermögen, also die 'Schärfeleistung' eines solchen Objektives ist rund 40x besser als die eines extrem scharfsichtigen Menschen.

Daher zeigt uns ein Gerät von 100 mm Öffnung (gleichgültig ob Refraktor oder Reflektor) die eindrucksvollen Mondlandschaften, Planeten als ausgedehnte Scheiben, auf denen Einzelheiten zu erkennen sind, Sternhaufen in ihrer vollen Pracht und hunderte von fernen Galaxien als zarte Nebelflecken.

Mit zunehmendem Optikdurchmesser werden die Bilder immer brillianter und kontrastreicher. Der bekannte Kugelsternhaufen M 13 z. B. erscheint im 10-cm-Gerät bereits hell und teilweise in Einzelsterne aufgelöst, aber erst bei 15 bis 20 cm Öffnung wird der enorme Sternenreichtum deutlich. Um die Spiralstruktur der berühmten Whirlpool-Galaxie M 51 wahrzunehmen sind,
neben einem dunklen Himmel, gleichfalls Optiken von 15 - 20 cm (besser mehr!) Durchmesser erforderlich. Dagegen sind helle Objekte wie Mond und Planeten schon mit Geräten unter 10cm Öffnung eindrucksvoll - wenn die Qualität stimmt!

Bei der Beobachtung von Sternhaufen, Gasnebeln und Galaxien hängt die Bildwirkung sehr stark von der Dunkelheit des Himmelshintergrundes ab. Stadtbewohnern ist daher zu empfehlen, sich für die Beobachtung lichtschwacher Objekte einen besser geeigneten Beobachtungsort in der Umgebung zu suchen.

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Glossar:

Vergrößerung:
Sie wird nach der einfachen Formel: V = F/ f
berechnet, wobei F die Brennweite der Hauptoptik
ist und f die Brennweite des verwendeten Okulars.
Beispiel: F = 910 mm, f = 25 mm;
910/25 = 36.4

Refraktor: Teleskop, dessen Hauptoptik aus einem Linsenobjektiv besteht.

Öffnungsverhältnis:
Das Größenverhältnis zwischen Brennweite und Durchmesser der Hauptoptik. Je kleiner der Wert ist, um so stärker treten beim Refraktor Farbfehler und beim Reflektor Komafehler in Erscheinung. Andererseits sind niedrige Vergrößerungen, die mehr Feldübersicht bieten und hellere Bilder liefern, mit kurzbrennweitigen Geräten besser zu realisieren.

Beispiele:
Hauptspiegeldurchmesser 20 cm und Brennweite 100 cm.
Öffnungsverhältnis: 100/20 = 5.

Objektivdurchmesser 10 cm und Brennweite 100 cm.
Öffnungsverhältnis: 100/10 = 10.

Newtonreflektor:
Teleskop, dessen Hauptoptik aus einem konkav (hohl) geschliffenen Kugel- oder Parabolspiegel besteht. Ein kleinerer Planspiegel im oberen Teil des Rohres lenkt das Licht im Winkel von 90 Grad seitlich ins Okular.

Netzhaut:
Mit lichtempfindlichen 'Sehzellen' (Rezeptoren) ausgestattetes Gewebe im Auge. Während tagsüber die Zäpfchenzellen auch einen Farbeindruck vermitteln, sind in der Dunkelheit die wesentlich lichtempfindlicheren Stäbchenzellen aktiv. Diese vermitteln leider nur Helligkeitseindrücke, aber keine Farbempfindung. Außerdem sind sie für rotes Licht wenig empfindlich;
gerade im Roten strahlen viele Gasnebel aber besonders intensiv, wie auf Farbfotos oft gut zu sehen ist.

 


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